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Vom Suchen, Finden und Negieren der Liebe
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Vor Sonnenaufgang: Soziales Drama (Taschenbuch) Alkoholismus, Ausbeutung von Arbeitern und Armut - die Kernthemen, um die sich das Drama „Vor Sonnenaufgang" drehen, lesen sich nicht umsonst wie ein Sammelsurium naturalistischer Themen. Entflammt durch das leuchtende Vorbild Henrik Ibsen, begannen auch deutsche Autoren, allen voran Johannes Schlaf, Thomas Holz und natürlich Gerhart Hauptmann, die neue Art des Schreibens in Deutschland zu institutionalisieren. Auf einmal standen Charaktere auf der Bühne, die in vulgärer Volkssprache zotige Begriffe um sich warfen und sich so gar nicht an die bisherigen Konventionen hielten. Trotz anfänglicher Häme setzte sich die Bewegung nicht zuletzt mit „Vor Sonnenaufgang" durch.
Hauptmann zeigt in seinem wohl erfolgreichsten Drama eine durchschnittliche Familie aus Witzdorf, die über Nacht durch den Fund von Kohlevorkommen auf ihrem Grundstück reich wird. Doch anstatt die glücklich Situation zu genießen und dankbar zu sein, geht es auf dem Hof hoch her: Helene, die einzig gebildete, sich abhebende Gestalt der Familie, leidet darunter, dass sie gegen ihren Willen verheiratet werden soll, während ihr Zukünftiger sich mit seiner Schwiegermutter auf ein Verhältnis einlässt. Das Familienoberhaupt ist schon längst dem Suff verfallen, stellt seinen Töchtern nach und hat sein zu Hause eher in der örtlichen Gaststätte denn in seinem eigenen Hof. Das Laster des Alkohols hat neben ihm auch seine zweite Tochter ergriffen, die nicht einmal ihre Schwangerschaft vom Trinken abhält. Als Alfred Loth, ein sozialdemokratischer gebildeter Mann, nach Witzdorf kommt, um Studien über die Arbeiter anzustellen, entwickelt sich zwischen ihm und Helene eine tiefe, enge Beziehung. Was anfangs nach der Rettung für das nach Hilfe schreiende Mädchen aussieht, stellt sich allerdings als der Anfang vom Ende heraus...
Hauptmann gelingt es durch einfache Mittel den Rezipienten in seinen Bann zu ziehen: Zusammen mit Alfred Loth gewinnt man immer tiefer gehende Einblicke in das verrohte Leben der Familie Krause, mit der armen Helene leidet man unter den irrwitzigen Umständen und am Ende bleibt einem nichts anderes übrig als mit dem Kopf zu schütteln. Wer einen Eindruck von Hauptmanns Dramen gewinnen will, beziehungsweise sich ein Bild vom Naturalismus machen möchte, dem sei dieser Text wärmstens ans Herz gelegt. Wer bei der Lektüre jedoch zumindest manches Mal schmunzeln möchte, sollte sich allerdings überlegen, lieber zu „Die Ratten" oder „Der Biberpelz" zu greifen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. Februar 2005 | | |
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